Planung für die Bahnareale Mannheim heißt Bewegung entlang von Demarkationslinien städtischer Identität: Zwischen Schnellstraße, Industrieflächen und Wohnquartieren, zwischen barocker Kernstadt und gründerzeitlicher Blockstruktur; das neue Quartier an der Bahnachse entsteht zwischen den Kapiteln der städtischen Erzählung. Wie kann ein eigenständiger Prozess der Stadt-Werdung für diesen Ort initiiert werden, der die bestehenden Übergänge, Kanten und Brüche nicht verwischt, sondern sie vielmehr betont und als Qualität ablesbar macht? Wie kann die direkte Lage am "Transitraum" der Bahnachse in ihrer Dynamik erfahrbar gemacht werden und einen Impuls für den Stadtteil Lindenhof auslösen?

Neues Stadtquartier
Mannheim 21

Ort Mannheim
Projekt Realisierungswettbewerb
Preis 2. Preis
Auslober Stadt Mannheim
Planung 2001
Zusammenarbeit P4 Berlin

Der Entwurf
Wir schlagen vor, die Lage zwischen den Kontexten zum strukturgebenden Moment des neuen Stadtteils zu machen. Die einzelnen Teilflächen des Entwurfsgebiets, das Entwicklungsband an der Bahnkante, das Gewerbe- und Wohnquartier an der Landteilstraße und der zentrale Freiraum des Hanns-Glückstein-Platzes werden als selbständige Räume gelesen, die jeweils spezifisch auf ihre Ränder reagieren. Es geht daher nicht darum, das neue Quartier mit einem homogenen Stadt- Vor- Bild zu überziehen. Statt dessen werden den Teilräumen eigenständige Typologien eingeschrieben, die nicht ineinander fließen, sondern präzise Übergange zwischen den Kontexten ausprägen.

Fugen

Blöcke

Transformation

Zeichen

Orientierung
zum Strassenraum

Freiraumfugen
Die unterschiedlich ausgeprägten Freiraumtypologien bilden ein stadträumliches Grundgerüst und gliedern das gesamte Plangebiet:
Die Platzräume der Fugen definieren öffentliche Räume im Stadtgefüge und verknüpfen den Lindenhof mit der auf der anderen Seite der Bahngleise gelegenen Kernstadt. Die Gestalt der Fugen variiert dabei im Innenraum:
Der Lindenhofplatz wird als ein steinerner, offener und multifunktionaler Freiraum definiert, der auf die hohe Funktionsdichte seiner Umgebung reagiert und den Südzugang zum Hauptbahnhof im Stadtraum verankert. Der Lokschuppengarten tritt in den Dialog mit dem Hans-Glückstein-Platz. Die neue Nutzung des Lokschuppens setzt sich im Freiraum fort. Der Kleinstegbrunnen setzt als Wasserspiel einen gestalterischen Schwerpunkt und inszeniert die Kleinstegbrücke als Verbindung zwischen den Stadtteilen und Eingangssituation zum Stadtteil Lindenhof. Als gliederndes und verbindendes Element erhält jede der Fugen einen leicht erhöhten Umlauf, der die Gebäudekörper verbindet und zugleich einen Aussen- und einen Innenraum innerhalb der Freiflächen entstehen lässt.

Topographie 0

Topographie 1
Freizeitspange

Topographie 2
Geländemodulation

Bewegung

Der Stadtgarten - Hans-Glückstein-Platz
Urbane Topographie: Der Stadtgarten wird zum zentralen Freiraum des neuen Stadtteils und ist als Landschaftsrelief zwischen den Rändern der angrenzenden Quartiere ausgebildet. An der Windeckstraße faltet sich der Park zur Raumkante, die neue Freizeitnutzungen aufnimmt und im Straßenraum sichtbar macht. Zusammen mit der neuen Topographie wird die Dachlandschaft der Randbebauung zu einem Teil des Parks und ermöglicht eine freie und abwechslungsreiche Bewegung auf der Gesamtfläche. Die Gestaltung des Parks berücksichtigt den Baumbestand und beschränkt sich auf eine Modellierung der Rasenfläche im Süden bis zur Verlängerung der Landteilstrasse. Den umgebenden Quartiersstrukturen wird mit dem neuen Park eine ruhige und offene Freiraumtypologie gegenübergestellt, die eine flexible, weitgehend nicht vorgegebene Benutzbarkeit aufweisen soll.