Zwischen Industrieareal und Autobahn gelegen ist das Areal 'Pfaffenwiese' heute eine grüne Nische am Stadtrand von Frankfurt und gleichzeitig ein 'gegensätzlicher Ort'. Wie kann die Randbrache zum Stadtteil werden? Fragmente begonnener Siedlungsbauten begegnen Gewerbebrachen, die Großform der Jahrhunderthalle trifft auf städtebauliches Stück-Werk. Aber Rand bedeutet auch Ausblick: Die freie Sicht auf die Taunushänge verleiht dem Ort einen besonderen Charakter. Grundthema des Entwurfs ist vor diesem Hintergrund die Gewinnung einer räumlichen Identität aus der Lage zwischen Stadtrand und Taunus. Der neue Stadtteil bezieht seine Eigenart aus einem intensiven Dialog mit dem umgebenden Landschaftsraum. Ausgangspunkt ist eine einfache räumliche Grundstruktur: Zwischen Jahrhunderthalle und Schwimmbad bildet eine städtische Promenade das Rückgrat, von dem aus sich 'Bellevues', keilförmige Landschaftsräume, in Richtung Taunus öffnen und den Stadtraum in acht klar umgrenzte Baufelder gliedern.

Stadtteil
Pfaffenwiese

Ort Frankfurt am Main
Projekt Gutachterverfahren
Preis 1. Preis
Auslober Stadt Frankfurt a.M. /
Bouwfonds Rhein-Main
Planung Mai 2001
Zusammenarbeit P4 Berlin

Die Baufeldstruktur
bildet ein robustes städtebauliches Grundgerüst, das eine größtmögliche Flexibilität bei der Entwicklung und Füllung mit Bautypologien ermöglicht. Das Profil unterschiedlicher Wohnqualitäten schafft differenzierte Adressen im Stadtraum: Wohnen am Stadtgarten und am Bellevue ermöglicht einen direkten Landschaftsbezug an den Rändern der Baufelder, während sich im Inneren kleinteilige Nachbarschaftseinheiten um Pocketparks herum entwickeln. Die Etappierung des Gesamtgebietes kann in klaren und überschaubaren Phasen erfolgen, in denen jeweils eine vollständige Quartierseinheit einschließlich Freiraum entsteht.

Die Bellevues

Die Bellevues
lenken den Blick nach Norden in Richtung Taunus und verknüpfen die Wohnquartiere visuell mit ihrer Umgebung. Die Verteilung der sechs Bellevues über das gesamte Baugebiet bietet einer hohen Zahl von Hauseinheiten direkten Zugang zum öffentlichen Freiraum. Kleinteilige Gärten mit Spielplätzen, Wasserflächen, Blumen und Gräsern rhythmisieren die Bellevues, ohne den Blick auf die Taunushänge zu behindern. Querwege verbinden die Wohnquartiere über die Bellevues hinweg miteinander. Jedes Bellevue wird von einer ihm eigenen Baumart begleitet. Man wohnt am Kirschen-Bellevue, am Kastanien-Bellevue oder am Birken-Bellevue.

Der Stadtgarten

Der Stadtgarten
Als breites Landschaftsband zieht sich der Stadtgarten von Westen nach Osten durch den neuen Stadtteil. Ein breiter, geschwungener Fuß- und Radweg verbindet Feldflur und Lachgrabenaue im Westen über die Wiesenbrücke mit dem im Osten angrenzenden Wohnviertel und dem Bahnhof Unterliederbach. Mit dem Verlauf des Weges erlebt man die Abfolge der verschiedenen Freiräume des Stadtgartens. Tennis- und Kleinspielfelder, Spielplätze und Bocciabahnen, Baumhaine, Pflanz- und Wasserflächen, die auch der Regenrückhaltung dienen, stellen den ruhigen, wohnungsnahen Bellevues den lebhaften Charakter des Stadtgartens gegenüber.
Im Westen endet der Stadtgarten in einem langgezogenen Hang, der sich auf 4,50 m über das Niveau der eingeschnittenen Westtangente erhebt. Eine breite Wiesenbrücke verlängert die Rasenfläche über die Straße hinweg und verbindet den Park über einen Flyway mit der Feldflur und der Lachgrabenaue.

Südlich der Wiesenbrücke schneiden sich die Grundschule und ein Kindergarten als autonome Formen in den Hang. Eine autarke Lern- und Spiellandschaft entsteht, die an den Stadtgarten angebunden ist. Die Topographie des Hanges passt sich der Lage des Hauptsammlers West an, der nur geringe Bodenüberdeckung toleriert. Eine transparente Lärmschutzwand als Fenster zur Feldflur ersetzt an dieser Stelle den Wall. Eine zweite Lärmschutzwand nördlich des Anschlusses 3 fängt den Freiraum des Kindergartens gegenüber der Straße auf. Sie bietet Fläche für Gestaltung und bildet den nördlichen Rücken des Eingangsplatzes an der Hauptzufahrt in den neuen Stadtteil Pfaffenwiese. Ein langgestrecktes Wasserbecken davor markiert die Entreesituation.

Die Promenade

Die Promenade
bildet das Gelenk zwischen den neuen Wohnquartieren und den südlich angrenzenden Büro- und Gewerbestrukturen und schafft eine qualitätvolle städtische Adresse: Stadt- Rand- Boulevard. Der zentrale öffentliche Raum des Stadtquartiers entwickelt sich als Fliessraum zwischen dem Hotelbau an der Jahrhunderthalle und der Freibadanlage mit neuem Vorplatz. Der gepflasterte Bereich der Promenade nimmt die Gebäude des Quartierszentrums mit Bürgerhaus, Läden und Cafes auf, während der an die Wohngrundstücke grenzende grüne Teil die Regenrückhaltung des südlichen Baugebiets übernimmt.

Stadt_Ein_Fahrt
Freie Körper an der schnellen Fahrt- die Jahrhunderthalle wird nicht eingebunden in ein retrospektives Stadt- Vor- Bild, sondern erhält dynamische Begleiter: Ein Ensemble von Solitären greift die Idee des Volumens in der Landschaft auf. Gemeinsam formulieren sie einen neuen Stadteingang für Höchst und Unterliederbach. Plastische Stadt- Zeichen vor der dichten Siedlungskante lagern an der Straße und prägen Raum.

Die Typologien-Stadtbausteine

Die Typologien-Stadtbausteine
Innerhalb der Bandbreite möglicher Baufeldgrößen sind vielfältige Choreographien unterschiedlicher Haustypen möglich. Einfache Grundbausteine wie Reihen- Winkel- und Punkthaus werden ergänzt durch Patioformen für individuelles Wohnen sowie Häuser mit flexiblen Teilungsmöglichkeiten zwischen individuellem Haus, Stadtreihenhaus und Geschosswohnung. Auf der Parzelle sind Zuschalt- und Atelierhäuser für vielfältige Möglichkeiten von Wohnen und Arbeiten bis Generationenwohnen möglich.